
Der Auftakt für einen entscheidenden Themenwechsel in meiner Malerei gab eine Reise ins südliche Marokko. Dort hoben die strahlenden Farben unter tiefblauem Himmel meine Gefühle von Enge und Begrenztheit auf, die ich in der Großstadt empfunden hatte. Gleichzeitig war ich durch die Kleidung, mit denen sich marokkanische Frauen verschleierten, an Frauen erinnert, die in ihrem Selbstausdruck eingeschränkt und beschädigt waren.
Zwar war in Deutschland die Ungleichheit der Geschlechter Kraft Gesetz bereits 1958 aufgehoben worden. Dennoch verhielten sich Frauen weithin angepasst und verleugneten ihre eigenen Bedürfnisse viel eher als Männer. Dazu kam, dass sich unser Verstehen von Gleichberechtigung an den alten patriachalen Werten und Herrschaftsstrukturen ausgerichtet hatte. Deswegen hatten Frauen deutlich mehr sich selbst begrenzende Denkmuster verinnerlicht. Im Atelier zu stehen und zu malen war für mich auch immer ein Instrument gewesen mich selber kennenzulernen.
Intuitive Malerei
Ein nächster Schritt für den Themenwechsel stand in Zusammenhang mit dem 1996 entstandenen Ganzkörper-Selbstbildnis. Während meiner Mediationsretreats waren wiederholt innere Bilder und Gefühle von Ohnmacht und Tod in mir aufgestiegen. Mein Mediationslehrer lehnte eine bewusste inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Inhalten ab. Solche Eindrücke sollten wir so vorüberziehen lassen, wie auch unsere Gedanken. Damals lernte ich in Berlin eine moderne Stadtschamanin kennen. Sie machte mich neugierig auf ihre Arbeit, da sie unbewältigte Erfahrungen aus früheren Leben als reale Mitspieler unserer Gegenwart verstand. Von ihr hatte ich die Aufgabe erhalten das Ganzkörper-Selbstbildnis zu malen.Ich wählte eine Leinwand in meiner Körpergrösse aus. Ich mischte verschiedene Farbtöne. Während des Farben Spürens und Malens schloss ich die Augen und begann mit Gelb. Farbe wahrnehmen und sie im gleichen Moment auf die Leinwand übertragen. Dabei überließ ich mich ganz meiner Intuition, sowohl in der Farbwahl, als auch in dem Aufbringen der Farbfelder und Linien.
Die Schamanin sah in der blauen Linie mit ihrer Verschiebung im Bauchraum den Ausdruck von gebrochener Kraft. Daraufhin hatte ich das Bedürfnis diese Linie in einer Vollständigkeit zu malen. Dazu wählte ich eine Eule. Bezogen auf die ihr zugeordnete Eigenschaft der Weisheit, hatte ich die Vorstellung, dass sie über ein inneres Lot der Intuition verfügte. Es erschien mir wie ein Werkzeug des Geistes oder der Seele zu sein, eine innere Kraft oder Licht, die es ermöglichte sich im unbewussten Raum zu orientieren.
Elch und Elchkuh
Den Methoden des schamanischen Heilens, sowie dem Begriff des Krafttieres trat ich damals mit sehr viel Skepsis gegenüber. Allerdings hatte ich in den Wochen zuvor von einigen eingefrorenen Vogelarten geträumt. Darum interessierten mich die schamanischen Krafttierbeschreibungen für meine Trauminterpretation. 1996 gab es nur ein Buch aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzte Buch über Krafttiere. Die Krafttierbeschreibungen orientierten sich an den männlichen Vertretern ihrer Art. Das war für mich nicht passend.
Vor meinem inneren Auge ließ ich eine Elchkuh an meine Tür klopfen und eintreten. Sie begleitete den Themenwechsel in meiner Malerei über mehrere Monate. Ich stellte mir vor, dass sie in dem langen Flur meiner Berliner Altbauwohnung Futter fand und wie sie mit dem Kopf zur offnenen Balkontür hinaus schlief. Jede Nacht träumten wir zusammen von der Taiga. Sie zeigte mir wie sie in den Sommern das Suhlen in den Sümpfen liebte und wie sie sich in den Wintermonaten so gerne im tiefen Schnee eingrub.











Schreibe einen Kommentar