Die Reise nach Innen zeigt Visionen verschiedener seelischer Aspekte einer  Frau, die heilungsbedürftig ist.
Die Reise nach Innen, 1990, Gipsacryl, Öl, Kreide a. Leinwand, 126cm x 110cm

Die Reise nach Innen zeigt einem künstlerischen Prozess. Das Bild war als Weg und als Ziel angelegt. Ich fühlte mich innerlich verschlossen und wollte in meine schweigende Seele reisen. In meinem Frau-Sein, in meiner Beziehungsfähigkeit fühlte ich mich heilungsbedürftig. Darum hatte mich auch die Frage bewegt, ob mein persönlicher Schmerz eine Ursache außerhalb meiner eigenen Lebenserinnerungen hatte. Ich setzte mich vor die weiße Leinwand. Ich hielt einen Kohlestift in der Hand und schloss meine Augen. Mich innerlich fühlen, innerlich zu reisen. Ich spürte meiner Frage nach und begann intuitiv auf die Leinwand zu skizzieren. Innere Bilder tauchten auf. Sie suggerierten mir, dass tiefere Lebenszusammenhänge bestanden.

Das Miteinander der Frauen

Die sitzende Frau in der oberen Bildmitte drückte mein Anliegen nach Heilung aus. Damals sah ich in den drei anderen Frauen sowas wie Seelengefährtinnen. Da war eine Mutter mit einem kleinen Kind, nach dessen Arm die knochige Hand des Schicksals griff. Liegend, nach unten abgetaucht eine junge Frau, deren Brust in Fliegenpilzfarben leuchtete. Daneben stehend, die schwarze Frau, von der ich ahnen konnte, dass sie sehr viel in die Waagschale meines Schmerzes hineinwarf. Mit dem Tierkopf waren afrikanische Assoziationen verbunden gewesen. Er gehörte zu einer Giraffe, gleichzeitig zu einem Dromedar. Geometrisch verziert, aus entsprechend vorgeschichtlicher Eisenzeit fand rechts außen noch der Anschnitt einer großen Vase Platz.

Die Reise nach Innen im Rückblick

Mein Bewusstsein schien über meine persönliche Lebensgeschichte hinaugegangen zu sein. Ich hatte mich gleichzeitig innerhalb verschiedener Körper und Erlebnisse gefühlt, während ich an dem Bild weitergearbeitet hatte. Es war mir so vorgekommen, als ob in dem weit größeren unbewussten Teil meiner selbst sich emotionale und mentale Anteile anderer Persönlichkeiten aufhielten. Nachdem ich Die Reise nach Innen damals fertig gestellt hatte, erschien mir das Miteinander der Frauen eher wie ein zeitloser innerer Augenblick zu sein. Dabei wurde mir erst später bewusst, dass ich ich echte und ernsthafte Themen angerissen hatte, die über ein künstlerisches Spielen mit Fantasie im Gepäck hinausreichten. Mein Gefühl der Verschlossenheit war nicht mehr so gegeben. Es folgten noch andere Bilder, bei denen ich in der gleichen Weise arbeitete und mein Innenleben kennenlernte.