Zwei bewegte quadratische Formen als Ausdruck von Gedanken und Emotionen begegnen sich.
Gedanken-Emotionen, 1992, Acryl, Modellierpaste, 35cm x 90cm a. Leinwand

Meine Malerei über Gedanken und Emotionen enstand als Ausdruck meiner Selbstwahrnehmung. Bei der Vipassana Meditation wird eine statische Körperhaltung eingenommen. Dabei beginnt die eigene Identität sich selber zu beobachten. Gedanken tauchen auf und Gefühle nehmen Raum ein. Die meditierende Person versucht nur zu beoachten, was im Inneren kommt und geht. Dabei ist es hilfreich sich auf den Atem zu konzentrieren.

Viele Stunden Meditation hatten dazu geführt mein Innenleben zu betrachten. Wechselhafte Impulse aus Gedanken und Emotionen erschienen. Meine Gedanken zogen mich in Geschichten hinein. Das konnte dazu führen die Achtsamkeit für die Meditation vollständig zu verlieren. Im Vergleich dazu vermochten Emotionen den ganzen Raum der Achtsamkeit für sich zu beanspruchen. Über die subtilen Empfindungen konnte ich festhalten, dass sie sich schwer beobachten ließen. Darüberhinaus bekam ich den Eindruck, dass meine echten Gefühle sehr scheu waren und sich ganz versteckt hielten. Den eigenen Atem zu beobachten, folgte der Bewegung sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen.

Retreat

Die Retreats waren in ihrem Tagesablauf sehr strukturiert gewesen. Acht volle Stunden Meditation hatten sich mit Essenspausen und Ruhepausen ergänzt. Während der Meditation konnte ich meine Gedanken und Emotionen als getrennte Größen, aber auch als Stimmungseinheiten wahrnehmen. Diese ließen sich wie Formen aufeinander stapeln. In den ersten Tagen eines Retreats hatte ich mich dabei selten klar und orientiert gefühlt. Öfters war es der Fall, dass in mir Hitze aufstieg. Dazu kam mir zu Bewusstsein wie Wirbel für Wirbel meinen Rücken aufrecht hielten. Doch es konnte ausgesprochen schwer sein für eine Stunde diese aufrechte Haltung zu bewahren. Schmerzen breiteten sich aus. Mit ihnen traten emotionale Spannungszustände auf, die in das eigene Leben zurückführten. Darum hieß für mich Meditation auch in der eigenen Psyche aufzuräumen, um mich spirituell zu entwickeln.

Ich wurde mir innerer Räume bewusst. Im Wechselspiel meiner kontrastierenden Gedanken und Gefühle veränderten sie sich. Einerseits erlebte ich mich in eng gefassten Grenzen eingesperrt, andererseits erfuhr ich dort Schutz. Das ist Identifikation! Desto mehr ich mir darüber bewusst wurde, um so besser erkannte ich das Prinzip der Identifikation. Solange ich mich mit meinen Gedanken und Emotionen identifizierte, blieben sie lebendig und atmeten so wie ich es selbst tat.

Identifikation